Rücktritt von Viktor Pfeifer

Nach reiflichen Überlegungen hat sich Viktor Pfeifer entschlossen seine aktive Eislaufkarriere zu beenden und ein neues Kapitel in seinem Leben anzugehen.

„Eine lange ereignisreiche Saison ist nun vorbei und ich hatte jetzt fast zwei Monate Zeit, über meine Zukunft als aktiver Eisläufer nachzudenken. Ich glaube, dass die letzten Jahre sehr erfolgreich waren und ich Österreich würdig vertreten konnte. Letztes Jahr knackte ich die Top 10 in Europa und ich bin stolz darauf Österreich bei drei Olympischen Spielen vertreten zu haben. Auch die vergangene Saison hatte gute Momente mit dem 2ten Platz bei der Icechallenge in Graz. Leider konnte ich nach meiner Sprunggelenkverletzung vor Sochi nicht mehr an Top-Leistungen anknüpfen, aber auch das gehört zum Sport dazu. Ich kann mit positiven Gefühlen auf die vergangenen Jahre blicken.

Heute kann ich sagen, dass ich für ein neues Kapitel in meinem Leben bereit bin. Ich will hiermit bekannt geben, dass ich meine aktive Karriere als Sportler beenden werde. Es ist der richtige Zeitpunkt für mich, weil ich neue Herausforderungen als Trainer suchen und mich für mein Masters Studium vorbereiten werde. Ich will aber hervorheben, dass diese Pläne für meine Entscheidung nicht ausschlaggebend sind. Ich denke, dass man als erfahrener Sportler spürt, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um die aktive Karriere zu beenden. Mein Körper hat mir speziell in dieser vergangenen Saison Signale gegeben, dass man sich nicht andauernd mit den schwierigen Sprungelementen belasten kann.“

Der VEV wünscht dir alles Gute für deine neuen Herausforderungen und Aufgaben. Danke für die ganzen tollen Momente und besonderen Programme, welche die Eiskunstlaufszene bereichert haben. Du kannst stolz auf dich sein und darauf, dass du den Mut hattest deinen eigenen Weg zu gehen, aus Fehlern zu lernen und zu zeigen, dass man viel erreichen kann, wenn man an die eigenen Träume glaubt und dafür kämpft.

Viktor Pfeifer hat relativ spät mit Eiskunstlauf begonnen und kam gleich in die Trainingsgruppe von Elena Romanova, einer Trainerin aus der Ukraine, die mit ihrer Familie über die VEU nach Feldkirch gefunden hat. Eine glückliche Fügung, denn sie konnte mit ihrer fundierten Trainingstechnik das Talent von Viktor sehr gut formen und war ausschlaggebend für seine Entwicklung und die Leidenschaft für den Eiskunstlauf. Er machte rasche Fortschritte und wurde 2003 mit 15 Jahren das erste Mal Staatsmeister. In dieser Saison trumpfte er auch schon international auf: ISU-Junioren Grandprix Top 10, Juniorenweltmeisterschaft 12. Platz.

2005 begann die Serie seiner insgesamt neun Staatsmeistertitel und er gab das internationale Debüt in der allgemeinen Klasse: 18. Platz bei seiner ersten Europameisterschaft in Turin und das Finale bei der Weltmeisterschaft in Moskau. Acht Welt- und Europameisterschaften wurden es insgesamt, seine beste Platzierung der 8. Platz bei der Europameisterschaft 2013 in Zagreb.

„Um auf olympisches Niveau zu kommen, muss man sich dem Sport voll und ganz hingeben. Das ist aber im Leben immer so, wenn man wirklich an die Spitze oder etwas ganz besonderes erreichen will. Man kann nur mit sehr viel Leidenschaft täglich stundenlang hart arbeiten“, sagt Viktor Pfeifer und das war bei ihm immer so. Bei seinen ersten Olympischen Spielen 2006 in Turin, mit Trainerin Elena Romanova, war er nicht nur der Jüngste im Team Austria, sondern auch in seiner Kategorie. Im Kurzprogramm gelang ihm sogar der 17. Platz und damit ein überzeugender Einzug ins Finale.

Nach Olympia ging Viktor Pfeifer nach USA für die Choreografie der neuen Programme – und blieb. Die Trainingsbedingungen waren dort verlockend, er traf jedoch nicht die richtigen Entscheidungen und es folgte eine tiefe Krise. Umso größer war der Erfolg, als er sich zu den Olympischen Spielen 2010 wieder zurück kämpfte und mit seiner neuen Trainerin Priscilla Hill in Vancouver dabei war. Finale, 21. Platz.

In den folgenden Jahren konnte Viktor Pfeifer sein Leistungsniveau auf hohem Level halten und rechtzeitig zur Qualifikation für Olympia bei der Weltmeisterschaft 2013 war er trotz Knieoperation im Herbst wieder fit und löste das Ticket zu seinen dritten Olympischen Spiele zu denen ihn seine langjährige Choreografin Irina Romanova begleitete. Optimal hat er sich darauf vorbereitet, das Betriebswirtschaftsstudium vor der Olympiasaison abgeschlossen, doch ein Knöchel-Bändereinriss beim letzten Training vor dem Abflug nach Sochi forderte seinen Tribut.

Um seinen Traum zu leben war von Viktor Pfeifer vollkommener Einsatz gefordert. Er begann neben Training und Studium auch als Eiskunstlauftrainer zu arbeiten und gilt heute als National Coach, das bedeutet in USA, dass man einen Schüler zu den Nationalen Meisterschaften gebracht hat. „Ich musste lernen jede Minute am Eis zu nutzen und interessanterweise konnte ich meine Erfahrungen als Trainer perfekt für mein eigenes Eislaufen anwenden. Über die Jahre habe ich gelernt zwar sehr hart, aber auch sehr klug zu trainieren“, so Viktor.

Er wird nun wohl in USA bleiben und sein Masterstudium anschließen. Mit seinen konstanten Leitungen konnte er sich elf Jahre lang in den Top zwanzig der Welt halten. Seine Erfahrungen, auch als Trainer wird er zukünftig gerne dem österreichischen Eiskunstlaufsport zur Verfügung stellen.

Es bleibt allen Förderern und Unterstützern zu danken: Dem Eislaufverein Dornbirn EVD, Vorarlberger Eislaufverband VEV, Land Vorarlberg Sportservice, Österreichischen Eiskunstlaufverband Skate Austria, Sportministerium Team ROT-WEISS-ROT, der Österreichischen Sporthilfe, Sport Union STAR RIBBON Team und insbesondere seiner Mentorin Trixi Schuba, die ihn über all die Jahre begleitet hat.

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